Geschichte Kambodschas
Die frühe Geschichte der Khmer ist bekannt als Vor-Angkor Periode, welche beginnt mit der Gründung des Königreichs Funan, im 2. Jhd. n. Chr. Das religiöse Zentrum des Reichs wurde im südlichen Mekonggebiet – dem heutigen Vietnam – gegründet, die Hauptstadt war Oc Eo, am Golf von Thailand. Das Königreich Funan war als Handelszentrum unter den Chinesen, Indern und in ganz Südostasien bekannt. Der Handelskontakt vor allem mit Indien brachte dem Königreich bereits früh Einflüsse der indischen Kultur und Religion.
Mitte des 6. Jhd. übernahm ein Vasallenstaat das Königreichs Funan, ausgehend vom heutigen nördlichen Kambodscha, damals von den Chinesen "Chenla" genannt. Die nächsten Jahrhunderte in dieser Region waren von vielen Tumulten geprägt, welche bis ins 9. Jhd. andauerten.
790 n. Chr kam der König Jayavarman II zurück aus Java, wo er mehrere Jahre festgehalten worden war. Er war derjenige König, welcher als Gründer des Khmer Reiches und als Befreier der Khmer von der Leibeigenschaft der Javaner. Die Befreiung wurde dann auch 802 n. Chr. Auf dem Phnom Kulen, einem Hügel nördlich des Tonle Sap Sees gebührend gefeiert. In den nächsten 600 Jahren erlebte das Königreich Kambodscha seine Blütezeit.
Nachdem Siam (heutiges Thailand) in der Nach-Angkor Periode 1431 die Stadt Angkor übernommen hatte, verliess der König die Hauptstadt und zog mit seinem Gefolge weiter südlich, jenseits des Grossen Sees. Die meisten Quellen beschreiben dass die Hauptstadt nach Srei Santhor verlegt wurde. Bis zum 17. Jhd. wechselte der König häufiger seinen Regierungssitz, so zum Beispiel nach Udong oder Lovek.
Während dieser ganzen Zeit wurde Angkor nie von den Khmer verlassen. Die Mönche von Angkor Wat kümmerten sich um die tempelanlagen von Angkor, welche schliesslich nicht wie oft beschrieben von den Franzosen entdeckt wurden, sondern von einigen wenigen Händlern und Abenteurern welche sich Mitte des 16. Jhd. dort aufhielten oder vorbeireisten. Die Tempel wurden zudem von den Portugiesen besucht – wie dem Historiker Diogo do Couto – und Spanischen sowie Japanischen Pilgerreisenden. Die erste Karte von Angkor Wat wurde ungefähr 1630 gezeichnet.
Im Jahre 1794 eignete sich Thailand die kambodschanischen Provinzen Battambang und Angkor an. Nachdem sich Thailand gegen Europa öffnete begann ein Strom der Reisenden aus dem Westen nach Thailand. Henry Mouhot erreichte Bangkok im September 1858. Obwohl die Tempel von Angkor von seinen Vorgängern bereits als einmalige Sehenswürdigkeit erwähnt wurden, gab es zu dieser Zeit noch keine Bilder oder Illustrationen davon. Henry Mouhot füllte diese Lücke, was ihm unter anderem nach seinem Tod 1860 den Ruf als Entdecker der Tempel von Angkor einbrachte. Seine Beschreibungen wurden 1864 erstmals in Englisch publiziert, mit einem Vorwort seines Bruders, welcher die Tempel als „riesige Ruinen welche Henry in Kambodscha entdeckte" darstellte. Dies mag einer der Gründe sein, warum Mouhot's Ruf als „Entdecker" der Tempel gemeinhin akzeptiert wird.
Noch bevor Mouhot's Beschreibungen publiziert wurden besuchte der franzoesische Vize-Admiral Bonard Kambodscha im Jahre 1863. Sein Ziel war eine Übereinkunft mit dem Koenig, dass Kambodscha und Angkor in ein französisches Protektorat übergeht. Die Vereinbarung wurde 1864 unterzeichnet.
1907 gingen die beiden Provinzen Angkor und Battambang schlussendlich wieder von Thailand nach Kambodscha über, wo dieses Ereignis mit einer grossen Feier in Angkor Wat zelebriert wurde.
Zur gleichen Zeit begannen die ersten Touristen Angkor zu bereisen. Innerhalb von drei Monaten besuchten über 200 Reisende die Tempelanlagen. Eine Besichtigung von Angkor war zu dieser Zeit ein aufwändiges Unterfangen – um zu den Tempeln zu gelangen begaben sich die Touristen auf Boote und Ochsenkarren, vor Ort dienten einfache Strohhütten auf Stelzen als Unterkunft und sämtliche Ausrüstung wie Verpflegung und Bettzeug mussten die Gäste selber mitbringen.
Die Franzosen gründeten alsbald die „Ecole Francaise d'Extreme-Orient" mit dem Ziel, die Tempelanlagen von Angkor zu restaurieren und vom Pflanzenwuchs zu säubern sowie Infrastruktur für den Tourismus zu schaffen. Angkor Wat und Angkor Thom wurden von Jean Commaille freigelegt. Die Tempel dem Urwald abzuringen war und ist ein schwieriges Unterfangen, da die Pflanzen und Bäume sich nach jeder Regenzeit wieder neu ausbreiten.
1925 wurde Angkor offiziell zum Park erklärt und eröffnet. Zu dieser Zeit waren auch die Strassen um die Tempel herum fertig gestellt, welche noch heute „short circuit" und „long circuit" heissen. Nach der Eröffnung boomte der Tourismus, es kamen Kolonnen von Autos und Bussen aus Saigon (Ho Chi Minh City) und Bangkok nach Angkor.
1949 bekam Kambodscha seine eigene Regierung und erlangte 1953 seine Unabhängigkeit. In den 50-er und 60-er Jahren war Kambodscha eines der am besten entwickelten Länder im Südostasien und Phnom Penh wurde als „Paris von Indochina" bekannt.
Während des Vietnamkrieges wollten die Amerikaner vietnamesische Verstecke im Grenzgebiet zu Kambodscha zerstören und brachten durch ihre Bombenangriffe mehr und mehr Leid ins Land. 1970 wurde der Prinz Sihanouk während eines Besuches in Peking vom General Lon Nol gestürzt, welcher fünf Jahre regierte. Am 17. April 1975 vertrieb die Rote Khmer Lon Nol und regierte Kambodscha mit eiserner Faust. Mehr als 1 Million Khmer kamen unter dem Militär-Regime von Pol Pot ums Leben. König Sihanouk wurde in der ausgestorbenen Hauptstadt unter Hausarrest gehalten.
1979 wurden die Khmer Rouge von den Vietnamesen und mit der Unterstützung der "People's Republic of Kampuchea" in den Dschungel vertrieben und es begann ein langer Guerillakrieg. 1991 konnten die Vereinten Nationen endlich ein Friedensabkommen, das „Pariser Abkommen" abschliessen. Strake UN Truppen sicherten danach 1993 die ersten freien Wahlen. Koenig Norodom Sihanouk wurde gar ein zweites Mal gekrönt.


